Zifferblätter und Zeiger

13.10.2020

Ebenso wie das Gehäuse, seine Form und Schmuckelemente ein guter Bezugspunkt für die Bestimmung von Herkunft und Alter einer Uhr sein können, können auch die Zifferblätter und Zeiger dem Sammler wertvolle Informationen über die Uhr liefern.

Die ersten mechanischen Uhren hatten nur einen Stundenzeiger und ein raues deutsches oder italienisches (alttschechisches) Zifferblatt, d.h. mit einer 12- oder 24-Stunden-Graduierung. Bei den mit einem Zeiger ausgestatteten Renaissance-Uhren wurden vorwiegend eingravierte römische Ziffern verwendet. Die Standuhren mit quadratischem Zifferblatt aus Messing wurden oft mit der Skala versehen, die im Messingring selbst, der an einer nicht runden Zifferblattplatte befestigt war, eingraviert wurde. Die sichtbaren Teile der Zifferblattplatte um den Ring herum wurden mit eingravierten Mustern oder Reliefapplikationen aus Gussmessing verziert, die sich hauptsächlich in den Ecken des Zifferblatts befanden. Diese Art des Zifferblatts herrschte bis ins 18. Jahrhundert, als es allmählich durch ein Emailzifferblatt ersetzt wurde.

Um 1780 kamen lackierte Zifferblätter aus Eisen in Mode. Sie wurden oft in billigen, völlig aus Eisen gefertigten Wanduhren mit Vogelmustern, figürlichen Szenen zu biblischen Themen usw. eingesetzt. Auch einige Standuhren hatten die bemalten Zifferblätter. Die Abmessungen der Zifferblätter nahmen allmählich zu. Um 1725 wurde die quadratische Zifferblattplatte um einen runden Segmentschild ergänzt, der sich allmählich zu einem Halbkreis entwickelte. Neben den Schmuckelementen wurde der Schild von Uhrmachern auch mit verschiedenen Vorrichtungen zum Ein- und Ausschalten des Schlagwerks, zur Wahl des Musikstücks im Spielwerk, mit Kalender- und verschiedenen astronomischen Zifferblättern oder Figuren des automatischen Mechanismus versehen.

Das an der Hauptplatte befestigte Ringzifferblatt ist bereits in einigen Renaissance-Uhren zu finden, aber fast immer sind die englischen Laternenuhren damit ausgestattet. Auf diesen Zifferblättern befindet sich unter römischen Ziffern eine eingravierte schmale Skala, die in 48 Teile eingeteilt ist und das Intervall jeder Stunde in vier gleiche Teile unterteilt. Die vierte Stunde wurde in der Regel nicht mit den römischen Ziffern IV markiert, sondern mit IIII. Der Grund dafür scheint zu sein, dass die IIII ästhetischer aussieht.

Mit der Pendeluhr wurde die Präzision der Zeitmessung verbessert, damit erschien auch der Minutenzeiger auf dem Zifferblatt. Für diesen Zeiger wurde auch eine spezielle Minutenskala, die sich auf dem äußeren Kreis der ehemaligen Stundenskala befand, hergestellt. Zur Angabe der 5-Minuten-Intervalle auf dieser Skala wurden zunächst nur arabische Ziffern verwendet, die bei kleinen Zifferblättern zur Platzersparnis direkt Teile der Skala waren und bei großen Uhren eingraviert oder über der Stundenskala gemalt wurden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Minutenziffern manchmal fast so groß wie Stundenziffern. Bei gefärbten Zifferblättern und bei den in Kleinstädten gebauten Uhren wurden manchmal die Minutenskalen vereinfacht und mit 60 Punkten, die direkt auf dem Stundenzeiger angebracht waren, versehen.

Die Zifferblätter der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden zunehmend mit einem dritten Zeiger – Sekundenzeiger – ausgestattet, und bei Uhren mit einem Sekundenpendel und einer Ankerhemmung wurde dieser Zeiger direkt auf die verlängerten Welle des Ankerrades gesetzt. Dadurch war auch seine exzentrische Position an der Ober- oder Unterseite des Zifferblatts bedingt. Ältere Sekundenzifferblätter wurden mit 10, 20, 30… 60 markiert, während spätere im Gegenteil mit 15, 20, 45, 60 versehen waren.

Es ist interessant, wie sich die Form der Zeiger änderte. Bei Uhren mit einem Zeiger wurden die Zeiger auf eine vierseitige Welle gesetzt und zur Erleichterung der manuellen Bewegung mit einer Nase oder Stütze für den Finger am gegenüberliegenden verlängerten Ende ausgestattet.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als einteilige Zifferblätter, die aus Silber gefertigt oder mit Silber beschichtet wurden, immer häufiger verwendet wurden, begannen die Uhrmacher, Stunden- und Minutenzeiger gleicher Form, aber unterschiedlicher Größe herzustellen. Im Gegensatz zu den früheren Zeigern, die allein aus Stahl hergestellt wurden, begann man, sie aus geschmiedeten Messingblechen zu schneiden. Ursprünglich hatten diese Zeiger komplexe Formen, aber später kehrten die Uhrmacher zu den einfachen Zeigern zurück, die auch in den meisten Taschenuhren eingesetzt wurden.

Ein etwas ungewöhnliches Zifferblatt war die Besonderheit der Boden- oder Wandpendeluhren mit Grahamhemmung, die von Anfang des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurden. Sie waren für Observatorien und verschiedene Betriebe, für die die genaue Zeiterfassung eine wichtige Rolle spielte, und schließlich für große Uhrenwerkstätten konzipiert, in denen alle neuen oder renovierten Uhren danach kontrolliert und reguliert wurden. Die zentrale Hauptskala des Zifferblatts der Regleruhren war eine große Minutenskala mit arabischen Ziffern 5, 10, 15 … 60, was 5-Minuten-Intervallen entspricht. Das zentrale Teil dieses Zifferblatts wurde mit einer kleinen Sekunden- und Stundenskala ausgestattet. Anstelle eines Zifferblatts hatten einige dieser Uhren ein digitales Zifferblatt in Form einer Kreisscheibe, die sich hinter einem Fenster auf der Zifferblattplatte befand. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erschien die erste Uhr mit zentralem Sekundenzeiger. Der große unbalancierte Sekundenzeiger auf dem vertikalen Zifferblatt wirkte sich sehr negativ auf die Ganggenauigkeit aus, sodass die Uhrmacher bald seine Form änderten, damit er den Uhrgang nicht verlangsamen und beschleunigen konnte. Ein ähnliches Problem stellte sich bei Turmuhren, deren Zeiger durch die Zugabe des Materials zu den verlängerten gegenüberliegenden Armen oder mit Hilfe von speziellen Gewichten, die unter dem Zifferblatt an den mit den Stunden- und Minutenwellen verbundenen Hebeln aufgehängt waren, balanciert wurden.

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