Uhrengeschichte. Rolle des Goldes in der Uhrmacherkunst

19.11.2019

Aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften ist Gold das beliebteste Material für die Schmuckherstellung. Die Uhr kann nicht voll und ganz als Schmuck bezeichnet werden, da sie ein funktionales Zeitmessgerät ist. In den letzten Jahren spielt sie jedoch zunehmend die Rolle eines schönen Status-Accessoires. Gold, dessen Verwendung bei der Uhrenherstellung eine lange Geschichte hat, macht die Uhr zu einem echten Schmuckstück.

 

Weltproduktion von Golduhren

Nach Angaben des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) werden jährlich weltweit mehr als eine Milliarde Uhren aller Arten hergestellt. Dabei liegt der Anteil der Golduhren bei 1 %.

So beliefert die Schweiz den Weltmarkt jährlich mit rund 28 Millionen Uhren. In der Gesamtmasse ist es eine eher bescheidene Zahl, aber wertmäßig macht das mehr als die Hälfte der Weltproduktion aus. Im Gegenzug sind nur 2 % davon vollständig aus Edelmetallen (hauptsächlich Gold) und 4 % davon teilweise aus Gold gefertigt. Der Gesamtwert dieser Uhren macht wiederum mehr als 50 % der Schweizer Exporte aus.

So beträgt ihr Wert trotz des unbedeutenden Anteils an der Anzahl der hergestellten Golduhren mehr als 25 % der weltweiten Uhrenproduktion.

 

Wann erschien Gold zum ersten Mal auf einer Uhr?

Die Tradition der Herstellung von goldenen Uhrengehäusen ist in der Vergangenheit verwurzelt. Das berühmte, um 1600 angelegte Verzeichnis der Schmuckstücke der englischen Königin Elisabeth I. umfasst folgende Gegenstände: „kleine goldene Uhr, die beidseitig mit bunter Emaille verziert ist“, „kleine Uhr in einem Kristall, die mit Gold ein wenig verziert und mit dem Bild Ihrer Majestät versehen ist“.

Die ersten mechanischen Uhren erschienen Ende des 13. Jahrhunderts auf den Türmen von Städten und großen Klöstern. Sie hatten nur einen Zeiger, der die Stunden zählte. Die Uhren zeigten aber auch die Daten religiöser Ereignisse, spielten Melodien und waren oft mit mechanischen Figuren, die unterschiedliche Szenen zeigten, ausgestattet. Gold wurde in solchen Uhren verwendet, um Zifferblätter, Zeiger und Figuren zu verzieren. Es erwies sich als ein sehr praktisches Material für diesen Zweck, da es mit der Zeit seinen Glanz und seine Farbe nicht verliert.

In der Kathedrale Santa Maria del Fiore in Florenz befindet sich eine der ältesten Uhren der Welt. Das Uhrwerk wurde 1443 vom florentinischen Handwerker Angelo di Niccolò geschaffen. Das Zifferblatt der Uhr ist an der Wand gezeichnet. Der goldene Zeiger wird durch das in der Wand versteckte Uhrwerk angetrieben.

 

Entstehung der ersten Uhren: schön und ungenau

Die Uhren, die für den Alltag akzeptable Größen hatten, erschienen erst Anfang des 16. Jahrhunderts zusammen mit der Entwicklung spezieller Federmechanismen. Diese Uhren hatten nur einen Nachteil – sie waren sehr ungenau. So waren sie eher eine Dekoration oder ein Accessoire als ein Zeitmessgerät.

Es wird angenommen, dass eines der ältesten Gemälde, das ein Bild einer Uhr zeigt, vom Renaissancekünstler Maso da San Friano um 1560 geschaffen wurde. Hier sehen wir Cosimo I. de Medici, Herzog von Florenz. Das Gemälde befindet sich in den Uffizien in Florenz.

Alle Uhren dieser Zeit können in zwei Gruppen eingeteilt werden. Zum einen sind das Zeitmessgeräte mit einem Zeiger. Zum anderen sind das die Uhren, die die Tageszeit, den Monatstag und sogar Mondphasen anzeigen und eher wie mechanische Kalender aussehen.

Die Uhrmacher des 16. und 17. Jahrhunderts versuchten, die Nachteile des Uhrwerks durch die äußere Schönheit zu kompensieren und ihre reichen Gönner zu überraschen. Der Historiker David Landes betont in seinem Buch „Revolution in Time“, dass „die Entwicklung der Produktion von Uhren als Schmuckstücken… die Energie und Phantasie der besten Meister der damaligen Zeit in sich aufnahm“. Er unterstreicht, dass „der Vorzug dem Aussehen gegenüber dem inneren Inhalt gegeben wurde“.

Unter diesen Bedingungen war Gold das wichtigste Material für die Dekoration von Uhrengehäusen. Neben Gold wurden die Uhren mit Silber, Diamanten, Rubinen, Perlen und Halbedelsteinen sowie Emaille verziert. Die Uhr- und Schmuckmacher aus London (England), aus Paris und Blois (Frankreich) und aus Genf (Schweiz) erzielten bei der Herstellung dieser mechanischen Kunstwerke außergewöhnliche Erfolge.

Dieses Bild zeigt ein Fragment des oberen Deckels einer quadratischen Uhr. Bei genauerem Hinsehen (klicken Sie auf das Foto) wird deutlich, wie die Diamanten im Schmuck des 17. Jahrhunderts aussahen: Sie waren unterschiedlich groß, mit einem primitiven Schliff und mehr als halb in der Fassung versteckt.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Uhren dieser Zeit eher wie eine Trommel oder Zwiebel geformt waren. Oft wurde das Uhrwerk von einem Handwerker und das reich verzierte Gehäuse von einem anderen gefertigt. Wegen der Mängel der Uhrwerke konnten nicht die Uhren mit einer Dicke von weniger als 4 cm geschaffen werden.

 

Geschichte der modernen mechanischen Uhren

Alles änderte sich um 1660, als die großen Wissenschaftler, der Niederländer Christian Huygens und der Engländer Robert Hooke, unabhängig voneinander eine Unruh und eine Spiralfeder entwickelten. Die Umsetzung dieser Erfindungen in das Uhrwerk, das doch Huygens zugeschrieben wird, führte zur deutlichen Erhöhung der Ganggenauigkeit. Die Uhr wurde zu einem echten Gerät, nicht nur zu einem Schmuckstück, das die ungefähre Zeit anzeigt.

Außerdem wurde dank dem neuen Uhrwerk die Größe der Uhr reduziert, sie sah schlanker und eleganter aus (obwohl sie immer noch in der Tasche oder als Medaillon und nicht am Handgelenk getragen wurde).

Die 4 cm dicken „Trommeln“ und „Zwiebeln“ von 1700 wurden zum Jahr 1790 auf 1,5 cm reduziert. Und zum Jahr 1830 wurden die Uhren mit einer Dicke von nur 3 mm gefertigt.

So gibt es im Museum Girard-Perregaux eine 1840 hergestellte Uhr, die sich in einem florentinischen Dukat von 1828 befindet.

 

Entstehung moderner Uhren: Schweizer Uhrenindustrie

Vor allem dank der Schweizer Uhrmacher, die die Massenproduktion aufbauten, wurden die Uhren weniger luxuriös. Sie wurden nicht mehr als Kunstwerke gefertigt. Die Uhren verwandelten sich von einer Luxusware zu einem Produkt des Massenkonsums.

Dennoch spielte Gold eine zunehmende Rolle, da das Goldgehäuse grundsätzlich zur einzigen Dekoration komplexer Uhrwerke wurde. Aufgrund seiner einfachen Verarbeitung wurde Gold zu einem passenden Material für Uhrhersteller. Die Reduzierung der Größe der Uhr und Entwicklung der Metallverarbeitungsverfahren ermöglichten es, für eine Uhr weniger Gold zu verwenden und sie somit billiger zu machen. Die Golduhren waren bei Käufern sehr beliebt, weil sie schön und präsentabel aussahen.

Präzise, zuverlässige und preiswerte Schweizer Uhren erfreuten sich großer Beliebtheit. Die Schweizer Uhrenindustrie entwickelt sich aktiv nicht nur in Genf, sondern auch in den Städten La Chaux-de-Fonds und Neuenburg. Eines der weltweit größten metallurgischen Unternehmen Metalor wurde 1852 in der Schweiz gegründet und spezialisierte sich auf die Herstellung von goldenen Uhrengehäusen. Und bis heute beliefert es die Uhrenindustrie.

Schweizer Uhrenmarken sind moderne Marktführer mit jahrhundertealten Traditionen.

Die meisten Golduhren werden heute nach wie vor in der Schweiz gefertigt. Die Goldarmbänder werden hauptsächlich in der Schweiz und in Italien hergestellt. Fünfzehn Schweizer Unternehmen produzieren Goldgehäuse für Uhren.

In der Schweiz gibt es derzeit 188 Uhrenmarken. Jeder hat wahrscheinlich solche berühmten Namen wie Girard-Perregaux, Patek Philippe, Michel Parmigiani, Breguet, Longines, Rolex und viele andere gehört, deren Geschichte mehr als 100 Jahre zurückreicht. Einige arbeiten noch weitestgehend getreu der alten Traditionen und produzieren nur wenige hundert oder tausend handgefertigte Uhren pro Jahr. Und andere wie Rolex produzieren jährlich mehrere hunderttausend Golduhren.

Die meisten Gehäuse sind aus Gold 750 (18 Karat) gefertigt, aber für Deutschland, England und die USA werden die Gehäuse aus Gold 585 (14 Karat) geliefert.

Die Goldgehäuse für Damenuhren können nur 8 Gramm wiegen. Aber die Gehäuse der Golduhren von Rolex – dem größten Goldverbraucher in der Schweiz – wiegen in der Regel mindestens 40 Gramm. Dabei muss man auch das Gewicht von goldenen Uhrenarmbändern berücksichtigen. So werden nach verschiedenen Schätzungen nur in der Schweiz etwa 30 Tonnen Gold pro Jahr für den Bedarf der Uhrenindustrie eingesetzt.

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